Blick auf den ehemaligen Truppenübungsplatz, Fotografie: Lydia NittelAusgangspunkt der Überlegungen für ein Biosphärengebiet Schwäbische Alb war die Aufgabe der militärischen Nutzung des Truppenübungsplatzes
„Gutsbezirk Münsingen“ und seine Konversion im Jahr 2005. Dabei waren sich alle am Planungsprozess Beteiligten von Anfang an einig, dass der herausragende naturkundliche und kulturhistorische Wert des 6.700 ha großen ehemaligen Truppenübungsplatzes „Gutsbezirk Münsingen“ nur mit einem großräumigen integrativen Konzept zu erhalten ist. Die direkt an den Truppenübungsplatz angrenzenden Städte und Gemeinden Bad Urach, Münsingen und Römerstein im Landkreis Reutlingen waren die ersten Kommunen, die einem Biosphärengebiet beitreten wollten. Zunehmend rückte auch die weiträumigere Region um den ehemaligen Truppenübungsplatz in den Mittelpunkt der Planungen. Hierzu trugen nicht zuletzt die sehr engagierten Naturschutzverbände bei.

Zum 01.01.2006 trat das Landesnaturschutzgesetz von Baden-Württemberg in Kraft, das die rechtlichen Grundlagen für die Einrichtung von Biosphärengebieten auf Landesebene regelt. Bereits drei Wochen später fand eine Informationsveranstaltung für Kommunalpolitiker aus der Region zum Thema Biosphärengebiet statt. Beteiligt waren das damalige Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum Baden-Württemberg, das Regierungspräsidium Tübingen und die Landkreise Reutlingen, Esslingen und Alb-Donau-Kreis. Im Rahmen dieser Veranstaltung wurde dann auch gemeinsam die namensgebende Bezeichnung Biosphärengebiet "Schwäbische Alb“ entwickelt. 

Zonierungskonzept

Hinter dem Konzept der Biosphärenreservate steht als Kernstück die räumliche Gliederung der Gebietskulisse in drei Zonen: Kernzone, Pflegezone, Entwicklungszone.

Dabei erhält jeder Bereich eine unterschiedliche Bedeutung für Mensch und Natur. Mit der Zuteilung der Schutz-, Erhaltungs-, Nutzungs- und Entwicklungsfunktion in unterschiedliche Zonen soll nachhaltige Regionalentwicklung praxisnah in ein räumliches Modell umgesetzt werden.

Die vom deutschen MAB-Komitee vorgegebenen Kriterien zur Anerkennung von Biosphärenreservate stellt an die Zonierung folgende Anforderungen:

  • Das Biosphärenreservat muss in Kern-, Pflege- und Entwicklungszone gegliedert sein.
  • Die Kernzone muss mindestens 3 Prozent der Gesamtfläche einnehmen.
  • Die Pflegezone soll mindestens 10 Prozent der Gesamtfläche einnehmen.
  • Kern- und Pflegezone sollen zusammen mindestens 20 Prozent der Gesamtfläche betragen.
  • Die Entwicklungszone soll mindestens 50 Prozent der Gesamtfläche einnehmen.

Kernzone

Blick auf einen FelskopfBiosphärenreservate besitzen eine oder mehrerer Kernzonen, welche dem unbeeinflussten Naturzustand sehr nahe kommen sollen. Diese Flächen werden von jeglicher wirtschaftlicher Nutzung freigehalten. Hier geht es also vorrangig um den Schutz natürlicher und naturnaher Lebensräume und Lebensgemeinschaften.

Blick in den BuchenwaldIn den Kernzonen soll beobachtet werden, wie Entwicklungen in der Natur ohne menschliche Beeinflussung ablaufen. Dies bedeutet nicht, dass der Mensch komplett ausgeschlossen ist, das Betreten ist auf ausgewiesenen Wegen (eine Übersicht, über die freigegebenen Wege finden Sie hier) erlaubt. Die Jagd ist ebenfalls möglich, wenn auch in eingeschränkter sowie veränderter Art und Weise.

Die Kernzonen im Biosphärengebiet Schwäbische Alb umfassen vor allem Hangbuchen- und Hangschuttwälder an den steilen Hängen des Albtraufs, die Schluchtwälder seiner tief einschneidenden Seitentäler und die klassischen Kuppenwälder der "Kuppenalb". Aktuell sind dabei rund 3% als Kernzone ausgewiesen. Die Wälder befinden sich im Eigentum der Kommunen, des Landes Baden-Württemberg und des Bundes.

Aufgrund der naturräumlichen Ausstattung und der Nähe zum urbanen Raum besitzt die Modellregion Schwäbische Alb mehrere kleinere Kernzonen. Ähnlich wie im Biosphärenpark Wienerwald in Österreich lassen sich solche vom Mensch unberührten Bereiche nur dort zielführend ausweisen, wo sich die Natur bereits Raum nehmen durfte und keine Siedlungsflächen und menschliche Strukturen einer zusammenhängenden Kernzonen entgegen stehen.

Pflegezone

Streuobstwiesen, Fotografie: Agentur Maichle-SchmittIn der Pflegezone werden wertvolle Ökosysteme der Kulturlandschaft durch schonende Landnutzung für die Zukunft erhalten. Ziel ist insbesondere die Erhaltung artenreicher und bedrohter Tier- und Pflanzengemeinschaften, deren Fortbestand von der Aufrechterhaltung einer pfleglichen Nutzung abhängt.

Das Credo der Pflegezone wird am besten mit "Schützen durch Nützen" beschrieben. Für den Menschen können diese Bereich, unter Berücksichtigung ökologischer Aspekte, zur Erholung, der Umwelterziehung oder der nachhaltigen Landbewirtschaftung dienen.

Grundsätzlich soll die Pflegezone, im englischen auch "Pufferzone", die Kernzone wie eine Schutzmantel umgeben und den Übergang zur Entwicklungszone darstellen. Natürlich muss diese theoretische Überlegung immer mit den naturräumlichen Gegebenheiten und menschlichen Einflüssen in der Praxis einhergehen.

Mähdrescher, Fotografie: Agentur Maichle-SchmittDer aktuelle Anteil der Pflegezone im Biosphärengebiet Schwäbische Alb liegt bei rund 42%. Beinahe der komplette ehemalige Truppenübungsplatz, kleinere Teile zählen zu den Kernzonen, wurde als Pflegezone ausgewiesen. Aber auch große Bereiche im Landkreis Esslingen, wie das Lenninger Tal, die Flächen um Neidlingen oder die Albtraufkante im Reutlinger Landkreis werden als Pflegezonen geführt.

Der größte Anteil der Pflegezone steht heute bereits unter Flächenschutz (Landschaftsschutz, Naturschutz, Natura 2000). Die bisher zulässigen Nutzungen, insbesondere auch die landwirtschaftlichen, werden auch weiterhin möglich und für den Erhalt der gewachsenen Kulturlandschaft unabdingbar sein. Denn ohne die notwendige Bewirtschaftung und Pflege sind wertvolle Lebensräume wie Streuobstwiesen, Wacholderheiden oder Mähwiesen in ihrem Fortbestand bedroht.

Entwicklungszone

Auf dem Wochenmarkt, Fotografie: Agentur Maichle-SchmittIn der Entwicklungszone schließlich steht der wirtschaftende Mensch im Vordergrund. In dieser Zone soll u.a. durch Förderprogramme die nachhaltige Entwicklung von Mensch und Natur gefördert werden, es soll versucht werden, die Wertschöpfung der Region auf eine umweltschonende und ressourcenschonende Weise zu steigern.

Es soll beispielhaft gezeigt werden, dass der Mensch die Biosphäre nutzen kann, ohne sie zu zerstören oder die Möglichkeiten zukünftiger Generationen zu gefährden. Die Entwicklungszone wird ausdrücklich als Lebens-, Wirtschafts- und Erholungsraum der Bevölkerung verstanden. Es gelten daher keine besonderen rechtlichen Beschränkungen.

Regionale Produkte, Fotografie: Agentur Maichle-SchmittDie Entwicklungszone des Biosphärengebiets Schwäbische Alb machen die restlichen 55% der Gesamtflächen, welche weder zu den Kern- noch Pflegezonen gehören, aus. Hierunter fallen alle Städte und Gemeinden mit ihren Siedlungsräumen und der dazugehörigen Infrastruktur, aber auch Flächen mit ökologisch geringerem Wert.

Für das Biosphärengebiet wird dieser Bereich eine wichtige Rolle im weiteren Prozess einnehmen. Durch die aufgenommenen urbanen Räume und den darin lebenden Menschen zählt die Region zu den bevölkerungsstärksten und am dichtest besiedelten Biosphärenreservate.