Grundsätze und Leitlinien für die Forschung im Biosphärengebiet Schwäbische Alb

Das Biosphärengebiet Schwäbische Alb strebt die Anerkennung als UNESCO-Biosphärenreservat an. Wissenschaft und Forschung nehmen einen wichtigen Stellenwert ein und sollen den Leitlinien des UNESCO-Programms „Der Mensch und die Biosphäre“ (MAB) und des weltweiten Netzwerkes der Biosphärenreservate (WNBR - World Network of Biosphere Reserves) entsprechen.
Von besonderer Bedeutung ist die angewandte, umsetzungsorientierte Forschung, aber auch Vorhaben der Grundlagenforschung sind für das Gebiet relevant.
Inter- und transdisziplinär besetzte Forschungsvorhaben, welche ein partnerschaftliches Zusammenleben von Mensch und Natur entwickeln, erproben und beispielhaft umsetzen, haben im Biosphärengebiet Schwäbische Alb vorrangigen Stellenwert, besonders unter Einbeziehung von ökologischen, ökonomischen und soziologischen Aspekten.
Auch Forschungsvorhaben zur Bewahrung der Biodiversität (einschließlich der Erhaltung bedrohter Tier- und Pflanzenarten, des Schutzes, der Pflege und der Entwicklung ihrer Lebensräume auch im Zusammenhang mit den Auswirkungen des Klimawandels) werden als wichtig eingestuft.


Forschung in Kernzonen

Die weitestgehend von menschlichen Einflüssen freigehaltenen Kernzonen stellen ein besonderes Feld für die Forschung dar. Im Biosphärengebiet Schwäbische Alb beinhalten die Kernzonen ausschließlich Waldflächen (z. B. Buchenmischwälder). Da sich hier die Natur unbeeinflusst entwickeln kann, steht in diesen künftigen „Urwäldern“ Forschung im Vordergrund, die Fragen zu den natürlich ablaufenden Prozessen zum Inhalt hat. Sind forschungsrelevante Fragestellungen auch durch wissenschaftliche Untersuchungen außerhalb von Kernzonen zu beantworten, ist die Inanspruchnahme von Kernzonen ausgeschlossen.
Im Sinne einer weitestgehenden Beruhigung der Kernzonen wird angestrebt, Forschungsvorhaben in bestimmten Kernzonen zu konzentrieren. Der Zugang zu den Kernzonen soll ausschließlich über die vorhandenen und freigegebenen Wege erfolgen. Unter dieser Prämisse sind Monitoring, Bestandserhebungen und beschreibende Forschung in Kernzonen möglich.
Nicht zulässig ist grundsätzlich das dauerhafte Einbringen von Organismen oder Stoffen in die Kernzonen. Eine Einflussnahme auf die natürliche Entwicklung darf nicht erfolgen. Insofern sind mit Forschungsvorhaben verbundene Eingriffe in die natürlich ablaufenden Prozesse, die hinsichtlich beanspruchter Flächen auf Dauer nicht als unerheblich zu qualifizieren sind, in Kernzonen nicht möglich.


Forschung in den Pflege- und Entwicklungszonen

In den Pflege- und Entwicklungszonen ergeben sich durch die bestehende Rechtsverordnung des Biosphärengebiets keine zusätzlichen Einschränkungen für Forschungsvorhaben. Aufgrund anderweitig bestehender Rechtsverordnungen und Gesetze (z. B. Naturschutzgebiete, Waldschutzgebiete, NatSchG, LWaldG) können jedoch z. B. für Untersuchungen in Schutzgebieten und an besonders geschützten Tier- und Pflanzenarten Genehmigungen und Ausnahmen von Verboten durch Naturschutzbehörden oder andere Fachbehörden erforderlich sein.