Natur & Landschaft

Naturerlebnis ehemaliger Truppenübungsplatz Münsingen

Blick von Wanderweg, Fotografie: Lydia NittelWer zum ersten Mal den ehemaligen Truppenübungsplatz Münsingen besucht, ist erstaunt über die wunderbare Stille und den unerwarteten Anblick. Sanft geschwungene Kuppen, die meist von Wald bedeckt sind, wechseln sich ab mit weiten Grasflächen, auf denen große Schafherden weiden. Der Waldrand verläuft meist gekrümmt und geht fließend in das Offenland über. Gehölzgruppen, Solitärbäume und einzelne Sträucher sind dem Wald vorgelagert und liegen wie eingestreut in der Landschaft. Diese weichen Übergänge bilden ein ungewöhnliches Landschaftsbild, wie es außerhalb des Geländes kaum noch anzutreffen ist.

Lebensräume durch militärische Nutzung

Das Landschaftsbild des ehemaligen Truppenübungsplatzes wurde nicht allein durch Schafbeweidung und die forstliche Nutzung geprägt. Wer genauer hinsieht, bemerkt die Unebenheiten der Geländeoberfläche, die besonders in der späten Abendsonne deutlich hervortreten. Sie wurden durch die Befahrung mit schwerem militärischem Gerät verursacht. Anfangs deutliche Fahrspuren und Erdanrisse wurden meist rasch wieder von der umgebenden Vegetation besiedelt. Die Unebenheiten selbst bleiben jedoch noch lange erhalten. Es sind gerade diese ungewohnten Strukturen, die ganz wesentlich den andersartigen Charakter des Geländes prägen.

Einige hier vorkommende Vogelarten brauchen vegetationsarme Bereiche und Störstellen in ihrem Lebensraum. Beispiele dafür sind die stark gefährdete Heidelerche und der vom Aussterben bedrohte Steinschmätzer. Auch eine seltene Heuschreckenart, der Gebirgsgrashüpfer, bevorzugt diese Habitate und würde auf eine Intensivierung der Beweidung empfindlich reagieren. Der Gebirgsgrashüpfer kann auf der Schwäbischen Alb ohne eine stabile Population auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz nicht überleben. Die militärischen Fahrübungen ließen nicht nur eine unregelmäßige Geländeoberfläche entstehen. War eine genügend dicke Schicht Kalkverwitterungslehm vorhanden, so bewirkte das enorme Gewicht von Kettenfahrzeugen bei nasser Witterung eine Verdichtung des Untergrundes. Es kam zur Bildung von sogenannten „Panzerwellen". In den Mulden sammelte sich das Regenwasser und bot Lebensraum für viele Pflanzen- und Tierarten, darunter auch bedrohte Amphibien wie die Kreuzkröte. Dabei unterliegen die Tümpel einem starken Wandel. Die natürliche Sukzession führt zu einem mehr oder weniger schnellen Verlandungsprozess. Das Kleingewässer verschwindet daher irgendwann völlig, wenn nicht erneut schwere Kettenfahrzeuge das Biotop befahren. 

Die militärische Nutzung der Flächen brachte die extensive landwirtschaftliche Bewirtschaftung, wie sie im 19. Jahrhundert für die Albhochfläche typisch war, mit sich. Heute eine interessante Entwicklung, denn so blieb das militärische Sperrgebiet von dem landwirtschaftlichen Wandel verschont. Keine Flurbereinigung und kein Siedlungsdruck, welcher das Gesicht dieser Landschaft verändert hätte. Nur geringfügig wurden und werden Düngemittel eingesetzt und so gut wie keine Biozide. Somit ist eine unzerschnittene, parkartige Landschaft von kulturhistorischer Bedeutung bewahrt worden.

Lebensraum für Schafe

SchafDas Gebiet stellt ein Zentrum der Wanderschäferei mit landesweiter Bedeutung dar. Etwa 30.000 Schafe beweiden fast das ganze Offenland, mithin etwa zwei Drittel der Gesamtfläche von 6.700 ha. Für die meisten Schäfereibetriebe sind die Pachtflächen auf dem Truppenübungsplatz von existentieller Bedeutung. Die großen, zusammenhängenden Weideflächen ermöglichen die Hütehaltung als eine traditionelle Wirtschaftsform, die hier immer noch praktiziert wird. Ein Nachteil ist das Risiko, auf Munitionsreste zu treffen. Daraus entstehenden Schaden muss der Schäfereibetrieb selbst tragen, jeglicher Anspruch an den Eigentümer ist über sogenannte „Risikopachtverträge" ausgenommen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang die langjährige Erfahrung der Schäfer, die oft schon seit mehreren Generationen die Pachtflächen beweiden und die möglichen Gefahren kennen.

Die Schafbeweidung großer Flächen auf dem Platz ist einer der wichtigsten Faktoren für die Biotopvielfalt. Durch den selektiven Verbiss der Schafe entstehen Kalkmagerweiden mit vielen seltenen Pflanzen- und Tierarten. Sie zählen zu den besonders geschützten Biotopen, die andernorts seit Jahrzehnten immer mehr verschwinden und hier noch großflächig erhalten sind. Duftende Kräuter wie der Feldthymian, der Wilde Majoran und das Echte Labkraut überziehen zu Tausenden weite Flächen und sind wichtige Nahrungspflanzen für zahlreiche Schmetterlinge. Zu den seltenen Pflanzenarten gehören beispielsweise der Frühlingsenzian, das Gemeine Katzenpfötchen und die Mond-Raute.

Wald

BucheBuche, Ahorn, Esche und in kleineren oder größeren Gruppen beigemischte Fichte bilden die Hauptbaumarten der etwa 2.400 ha großen Wälder des Truppenübungsplatzes. Die gesamte Waldfläche wurde vor einigen Jahren im Zuge der Waldbiotopkartierung des Landes Baden-Württemberg vollständig erfasst. 151 ha sind dabei als besonders wertvolle Biotope ausgewiesen worden. Strukturreiche Waldbestände im Einschussbereich repräsentieren eine Art Bannwaldsituation. Sie sind von ihrer Baumzusammensetzung und -struktur sowie auch von ihrer Entwicklung her als besonders selten und wertvoll einzustufen. Als „Reste historischer Bewirtschaftung" sind die Hutewälder zu nennen. Einige Waldflächen beherbergen schützenswerte Pflanzenarten wie den Märzenbecher und bedrohte Tierarten wie die Hohltaube und den Rotmilan. Pflege und Erhaltung dieser wertvollen Biotope waren und sind eine der wichtigsten Aufgaben des Bundesforstes. Auf der verbleibenden Fläche ist nach den Grundsätzen der Bundesforstverwaltung ein naturnaher Waldbau vorgeschrieben. Dies bedeutet den Ausschluss von Kahlschlägen ebenso wie die weit überwiegende Verjüngung der Waldbestände durch natürliche Aussamung.

Ansprechpartner

Seit dem Abzug der Truppen und der zivilen Bundeswehrverwaltung Ende 2005 ist der Bundesforst als Eigentümer für die gesamte Fläche zuständig und nicht nur für die forstlichen Betriebsflächen wie bisher. Erfahrene Mitarbeiter mit sehr guter Gebietskenntnis sorgen dabei für die notwendige Kontinuität in der Betreuung dieses Gebietes und arbeiten eng mit anderen Behörden zusammen.

Bundesanstalt für Immobilienaufgaben
- Sparte Bundesforst -
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